Burg in Rauch und Sonnenschein
Frühjahrsforsteinsatz 2011

Von konventioneller Einladung in Papierform über Homepage bis facebook-Eintrag, auf allen Wegen hatte die Bundesleitung zum diesjährigen Frühjahrsforsteinsatz auf die Burg Ludwigstein eingeladen. Der Herbstforsteinsatz hatte zahlenmäßig schon kräftig vorgelegt, es galt, den Teilnehmerrekord von 75 zu brechen. Die terminliche Konkurrenz war hart, denn zeitgleich fand in Hamburg der berühmte Hamburger Singewettstreit statt, der auch unter Waldläufern sehr beliebt und besucht ist. Doch eine unglaubliche Anzahl von 86 Leuten, darunter erfreulicherweise viele junge und neue Gesichter, trudelte im Laufe des Abends des 25. Februars im Speisesaal ein,

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den wir uns mit einem Haufen anderer Bündischer vom Meißnerforum teilten. Sie waren entweder unseren Einladungen gefolgt, kamen aus Tradition oder auf Animation von Freunden, und alle kamen sie motiviert und einige sogar mit den so nötigen Freischneidern und Motorsägen. Im Feuerschein wurde wie immer gesungen und getratscht, über den Winter war ja einiges passiert. Dazu lernten wir die netten und hilfsbereiten neuen FÖJler und FSJler kennen, die sich sehr sorgfältig auf unseren Einsatz vorbereitet und eine lange Liste mit zu erledigenden Arbeiten erarbeitet hatten, darunter die Vollendung der Arbeiten an der Ausgleichsfläche zum Enno-Narten-Bau.

Das allgemeine Wecken am nächsten Morgen erübrigte sich, da die Leute auf dem Lagerplatz vor Kälte eh kaum ein Auge zugetan hatten und im Gewölbekeller ein rockender Hund namens Floyd den waldjugendlichen Laden frühzeitig aufmischte. Der Hund gehörte übrigens Mücke, einem befreundeten Zugvogel, der sich netterweise zum Helfen angeboten hatte und ordentlich mitschaffte. In der Morgenrunde nach einem stärkenden Frühstück wurden die Arbeiten verteilt, darunter Holz kleinmachen, einen Steinhang anschütten und mal wieder die Patenräume streichen. Gegen halb 10 hatten sich alle Waldläufer in und um die Burg zu ihren jeweiligen Arbeiten verteilt und legten sofort bei strahlendem Sonnenschein los. Die Pfälzer gingen mit Spitzhacke auf den Archivhang los, den am Ende des Tages zwei freigelegte und ein neu errichtete s Mäuerchen zierten, während sich ein Trupp von NRWlerinnen um den Anstrich von neuen Holzbänken kümmerten. In der Werkstatt fand man einige Norder, die sich um das Holz kümmerten und es sorgfältig kleinsägten. Ein paar weitere Mitglieder der Spezie „Nord“ reparierte derweil ein Geländer zum Zeltplatz und kümmerte sich um ein Feuerchen, das mit Schnitt von der Ausgleichsfläche genährt wurde. Wusel und Nils betonierten an einem Fundament für einen Pinnöpel herum, der die Zufahrt zum Burghof versperren sollte, Tuffi und Steffi fuhrwerkten im Rosengarten herum. Der größte Teil der Truppe war jedoch auf der Ausgleichsfläche zu suchen, wo alles, was nicht Gras oder Wacholder war, dem Freischneider respektive der Motorsäge zum Opfer fiel. Neben den neonorange-grünen Männchen mit Helm wieselten viele fleißige Grünhemden herum und schmissen alles auf die errichteten Feuerhaufen, der anfangs nicht so recht brennen wollte. Gegen Nachmittag jedoch war die Burg in weiße Rauchschwaden gehüllt, die fast die Sonne verdeckten, und die das Volk anlockten, das zuvor in den Patenräumen gestrichen und gepinselt hatte.

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Zum Abendessen waren viele der Arbeiten tutti completti erledigt, wir hatten einige hundert Stunden für den Enno-Narten-Bau und die Patenräume gesammelt. In erschöpfter, aber fröhlicher Stimmung verschwanden viele etwas scharf riechender Waldläufer in der Sauna, um sich nach einigen Saunagängen und kühlenden Bädern im Schwimmbecken frisch gewaschen und poliert auf das Buffet zu stürzen, das von einigen Waldläufern errichtet worden war. Es gab Tschai für Erwachsene und Kinder, Knabberkram und viele knoblauchhaltige Cremes, dazu mischten sich Grünhemden und weitere Halstuchträger vom Meißnerforum im Speisesaal zu einer heterogenen Sängerrunde. Manche Interpretationen einiger Lieder unterschieden sich zwar. Dennoch war die allgemeine Stimmung gut, denn wurden wir nicht wie sonst von den „zivilen“ Besuchern wie Außerirdische mit Hang zu befremdlichen Musikgeschmack angeglotzt, sondern in eine ähnlich zünftige Gesellschaft integriert. Man verlief sich in weitere Singerunden in der Burg und traf wieder zusammen, der Abend schaukelte sich langsam zur Mitternacht und weit darüber hinaus.

Trotzdem sah man fast alle Gesichter am nächsten Tag an den Frühstückstischen und in der Abschlussrunde, von der aus wir noch mal alle Baustellen abliefen, begutachteten und beklatschten. Joni übernahm stellvertretend zum Abschied das einfache dreifach Horridoh-joh, danach ging es für den Großteil der Leute auf Schienen zurück ins normale Leben.

Der FÖJler Tobi war sehr begeistert von unserer Arbeit, wir auch. Begeisterter war die Bundesleitung aber vor allem von der großen Motivation, die sich über den Tag hielt und gegen Nachmittag sogar noch das Tempo anzog. Dazu war die Menge an neuen und jungen Gesichtern ein Grund zum Jubel, denn so ist gewährt, dass der Forsteinsatz sich stetig verjüngt und nicht eine  reine Älterenveranstaltung wird. Die Älteren wiederum haben Unglaubliches mit dem eher spärlich vorhandenen Werkzeug geleistet und dabei die Jüngeren sehr toll integriert und mitgenommen, ohne eine Hierarchie aufzubauen. Es war ein toller Forsteinsatz, bis zum Herbst!