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Diese Bilder könnten bald Vergangenheit sein...


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... und von solchen Bildern abgelöst werden.


Sommerbrummen wird leiser
Giftstoff Clothiadinin sorgt für Ausrottung von Bienenvölkern

Es ist ein heißer Sommer, man liegt im Gras mit einem kühlen Getränk, schaut in den azurblauen Himmel, unter und über einem Krabbeln die Ameisen, um den Kopf und  die Blumen summen emsig die Bienen auf ihrer endlosen Suche nach Blütennektar. Doch diese beruhigende Hintergrundmusik für einen erinnerungswürdigen Sommer könnte bald immer leiser tönen, denn seit einigen Jahren sterben Sommer für Sommer immer mehr Bienenvölker aus.

 Bereits im Frühjahr 2008 wurde von einem vermehrt auftretenden Sterben in Baden-Württemberg berichtet, nachdem Pestizide bei der Aussaat von Raps und Mais auf den Feldern verteilt wurden. Vor allem der Stoff Clothianidin aus der Gruppe der Neonicotinoide - nikotinartige Stoffe, die als Nervengift wirken -wurde für die Ausrottung von über 10.000 Bienenvölkern verantwortlich gemacht. Man findet Clothianidin in vielen Pflanzenschutzmitteln, die auf das Maissaatgut gestreut (im Fachjargon: gebeizt) werden, um die Pflanzen später schädlingsresistenter zu machen.

Doch gelangte der Stoff nicht nur mit der Saat unter die Erde, sondern flog auch mit Staub bei der Aussaat durch die Luft, während die Bienen auf der Nahrungssuche waren. Als die Bienen verseuchte Pollen von den Rändern der Felder sammelten und mit in den Stock brachten, führte die Kontaminierung mit dem Gift zum Sterben des ganzen Volks. Denn das Gift bewirkt, dass die Bienen nicht mehr aktiv auf Futtersuche gehen und ihre Kommunikation über Schwänzeltänze unpräziser wird. Die Bienen sterben dementsprechend an den lähmenden Folgen des Gifts. Das bedeutet jedoch nicht nur, dass das beruhigende Gebrumme des Sommers leiser wird, sondern auch, dass unser gesamtes Ökosystem langsam aber stetig auseinanderbricht. Denn Bienen sind hauptverantwortlich für die Bestäubung von vielen Pflanzen, wie Nuss- und Obstbäumen. Werden die  Pollen nicht weiter von den Bienen auf die Stempel der Blüten getragen, können keine Früchte entstehen, sodass auch der Fortbestand von wichtigen Nahrungsmitteln wie Äpfeln oder Birnen in Gefahr ist.

Der Verkauf von clothiadininhaltigen Pestiziden ist in Deutschland durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit deshalb ausgesetzt worden. In anderen Ländern wie Italien sind sie  jedoch weiterhin erlaubt, sodass die Firma Bayer, die diese Pflanzenschutzmittel verkauft, weiterhin ins Ausland liefern und Umsatz mit einem ihrer stärksten Produkte machen kann. Sie profitieren von den widersprüchlichen Aussagen der Wissenschaftler, die sich teilweise nicht einigen können, ob und welches Gift für die Bienen schädlich ist. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss auch, dass nicht nur Clothiadinin für den Tod der Bienen verantwortlich ist, sondern möglicherweise viele weitere Giftstoffe. Die Folgen werden verheerend sein, deshalb sollte dem rücksichtslosen Verhalten der Pflanzenschutzindustrie Einhalt geboten werden. Solange die Forschung nicht eindeutig den Beweis der Unschädlichkeit bringt, sollten solche Produkte nicht weiter verkauft werden.

Die Nicht-Regierungsorganisation Avaaz hat dafür eine Petition eingerichtet, die sie an die Regierungen verschiedener Länder weitergeben wird, um so auf das Problem aufmerksam zu machen und die Dringlichkeit zu verdeutlichen. Unter https://secure.avaaz.org/de/save_the_bees/?vl könnt ihr unterschreiben und so einen Beitrag gegen das Bienensterben leisten. Spannend als Gruppenstunde wäre es auch, einen Imker zu besuchen und sich ein Bienenvolk von innen zeigen zu lassen. Lasst euch von ihm erzählen, wie wichtig die Bienenvölker sind, für einen schönen Sommer, aber vor allem auch für ein funktionierendes Ökosystem.